Krieg und Frieden

Immer wenn sich Menschen wehren und auf die Strasse gehen, gerade auch am 1. Mai, tauchen sie auf, die Aufrufe, doch bitte friedlich zu bleiben und die Distanzierungen von allen, die sich angeblich nicht angemessen verhalten. Wenn nach einer politischen Aktion alles wieder ist wie vorher, war sie friedlich, dann ist der Friede gewahrt. Und das ist ja schliesslich das Wichtigste.

Doch was ist das für ein Friede, wenn am 1. Mai ein ganzes Quartier von Bullen besetzt wird, Hubschrauber am Himmel kreisen, Prügeltrupps und Nazis Jagd auf Andersdenkende und -aussehende machen, mal mit Polizeimarke, mal ohne, ein gewisses Gebiet zur No-Go-Area erklärt wird und dann hunderte von Menschen unter Applaus von Medien und Politik eingekesselt, weggewiesen und verhaftet werden, schlicht weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren?

Was ist das für ein Friede, in dem die „Volksgemeinschaft“ zelebriert und gegen alles gehetzt wird, was nicht reinpasst, sich ganze Dörfer in einen grossen rassistischen Mob verwandeln, Menschen in Lager und Ausschaffungsknäste gesteckt werden, an den Grenzen mit modernster militärischer Technik ein Krieg geführt wird gegen jene, die fliehen vor Armut und Krieg und in Europa ein besseres Leben suchen?

Was ist das für ein Friede, in der Banken und Konzerne mit Milliarden gerettet werden, während die Verluste auf die Bevölkerung abgewälzt werden, über Kurzarbeit, längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn, Lohnkürzungen, Entlassungen, Sozialabbau und Rentenkürzungen und Sparprogramme durchgeprügelt werden, welche grosse Teile der Bevölkerung ihrer Existenz berauben?

Was ist das für ein Friede, in dem ganze Landstriche verwüstet werden durch Krieg oder Umweltverschmutzung, in dem Menschen verhungern, weil sie ihrer Ressourcen beraubt, Böden vergiftet oder Grundwasserquellen privatisiert wurden, in dem all die Scheisse passiert, deren Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde, über die wir Dokumentarfilme sehen und dann ohnmächtig vor dem Fernseher sitzen, weil das alles zwar ganz weit weg ist, aber dank all der internationalen Konzerne, Banken, Staatsverträge und Waffengeschäfte doch etwas mit uns zu tun hat?

Wir sehen, das, was sie uns hier als Friede verkaufen wollen, in dem wir uns gefälligst friedlich verhalten sollen, ist in Tat und Wahrheit ein Krieg. Und wenn‘s mal ruhig ist, herrscht Ordnung, für den Frieden müssen wir noch viel kämpfen! Und klar müssen wir uns überlegen, welche Mittel wir wann anwenden, doch dieser Friedens- und Legalitätsbegriff, der nur darauf abzielt, die kapitalistische Ordnung nicht zu stören, kann kein Massstab für unser Handeln sein. Also lasst euch nicht einseifen, spalten und gegeneinander ausspielen! Nur zusammen sind wir stark!

Ob friedlich, ob militant, wichtig ist der Widerstand!