Verlassen wir das sinkende Schiff!

Aufruf des antikapitalistischen kollektiv zürcher oberland (akzo) zum 1. Mai 2012

Nun, es ist jedes Mal dieselbe Leier: „Die Krise ist vorbei!“ verkünden uns die Mächtigen. Und sowieso, wirklich in der Krise sind nur Griechenland, Italien oder Spanien. Wir auf unserer Insel der Glückseligen sind davon verschont, denn wir sind ein einig Volk von Brüdern, welches noch jedes vom Ausland verursachte Übel überstanden hat.

Doch das Bild, welches sich uns bietet, ist ein anderes: Die Tage hier sind kalt, der Wind ist rau. Während in Europa grossen Teilen der Bevölkerung das Wasser bis zum Hals steht, bekommen auch wir langsam nasse Füsse: Längere Arbeitszeiten, Kurzarbeit, Lohnkürzungen, Entlassungen und Sozialabbau werden zur Realität für immer mehr Menschen. Und mit der wirtschaftlichen Situation verschärft sich auch die gesellschaftliche. Es wird gehetzt gegen alles was angeblich nicht hierhin gehört, gegen AusländerInnen, Flüchtlinge, sozial Schwache und auch gegen Menschen, die sich wehren gegen Angriffe auf ihre Rechte und Errungenschaften, namentlich kämpfende Frauen, ArbeiterInnen, StudentInnen oder politische AktivistInnen. Ganz zu schweigen von der Repressionsschraube, die immer weiter angezogen wird, um auch die kleinste unangepasste Regung im Keim ersticken zu können. Dieses Spiel kennen wir nur zu gut und sein Ziel ist klar: Menschen sollen eingeschüchtert, vereinzelt und gegeneinander ausgespielt werden, damit es sich leichter von unten nach oben umverteilen lässt.

In diesem Klima von neoliberalen Krisenbewältigungsprogrammen, rechter Hetze und repressiver Law-and-Order-Politik müssen wir solidarisch zusammenstehen, denn nur gemeinsam können wir diesen Angriffen entgegentreten. Doch machen wir uns nichts vor: Armut, Ausbeutung und Gewalt sind und waren schon immer elementare Bestandteile dieses Systems. Reformistische Pflästerchenpolitik, freundliche Appelle an Staat und Konzerne und verständnisvolle Dialogbereitschaft gegenüber reaktionären HetzerInnen bringen uns keinen Schritt weiter.

Es wird Zeit, das sinkende Schiff zu verlassen, es wird Zeit, den Kapitalismus endgültig auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen! Kämpfen wir gemeinsam für eine solidarische und herrschaftsfreie Gesellschaft!

Wir behaupten nicht, ein Patentrezept dafür zu haben, das nur noch darauf wartet, umgesetzt zu werden. Es gilt, Wege zu suchen, Kämpfe zu verbinden und Perspektiven zu entwickeln, wie in den sozialen Kämpfen in Griechenland, den Aufständen in Nordafrika, in den Strassen von London, Rom, Oakland, Madrid und all den unzähligen grossen und kleinen Kämpfen, Aufständen, Revolten und Streiks überall auf der Welt. Für eine andere Welt zu kämpfen ist wie schwimmen zu lernen und wir kommen nicht darum herum, ins Wasser zu springen um zu neuen Ufern aufzubrechen.

Heraus zum 1. Mai!